Transferperiode - das hieß für den Schreiber früher im übertragenen Sinne eine Packung Popcorn holen und auf die spannenden Namen warten, die von der lokalen Zeitung als möglicher Neuzugang gehandelt wurden.

 

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(Quelle: Wikipedia)

 

Unter der Hand gab es immer wieder unter der hand Namen zu erfahren, die sich mal bewahrheiteten und mal nicht. Rund um die Zeiträume wurden die Kennzeichen der Autos auf den Straßen der Landeshauptstadt noch einmal genauer kontrolliert. Die Kombination „HRO“, junger Mann und dicker Schlitten war da schon einmal Ausgangspunkt für Recherchen, die sich manchmal sogar als Treffer herausstellten.

 

Inzwischen ist der Schreiber aber mehr und mehr genervt von diesem Zeitraum des Jahres. Und das hängt vor allem auch mit der Tatsache zusammen, dass inzwischen jede noch so unseriöse Internetplattform sich zum Experten macht, einfach alles an Gerüchten raus haut was geht und sich diese über Social Media multiplizieren bis sie als Fakt gelten. Nicht selten tritt dabei ein „Stille-Post-Effekt“ auf, wo aus der Aussage: „Verein XY interessiert sich für Spieler YZ“ dann quasi ein feststehender Wechsel wird. Die Wahrscheinlichkeiten werden dabei dann mit willkürlichen Prozentzahlen untermauert. Wirkt ja irgendwie wissenschaftlich.

 

Recherche tut nicht Not. Schlagzeilen funktionieren ganz einfach nach dem Prinzip „Verein im unteren Tabellendrittel von Liga eins“ ( ← bitte Vereinsnamen einsetzen) will „Top-Torjäger mit auslaufendem Vertrag in Liga zwei“ (  ← bitte hier Spielernamen einsetzen). Mit Hilfe von Transfermarkt (oder ähnlichen Plattformen) kann jeder noch so unbegabte Internetnutzer so locker ein paar Top-Schlagzeilen und Transfergerüchte kreiieren. Natürlich besteht durchaus die Chance auf einen Treffer, nur werden dabei viele andere Faktoren außer acht gelassen (wie zum Beispiel: Will Spieler YZ überhaupt wechseln und, wenn ja, will er zu Verein XY?“

 

Das schlimme ist, dass inzwischen gefühlt auch jedes (halbwegs) seriöse Medium bei den wilden Spekulationen mitmacht, schließlich bringt es ja Auflage, Quote, Klicks. „Verlässt YZ Holstein?“ muss ja nichts heißen, klingt aber für viele schon wie „YZ verlässt Holstein!“ Früher streuten Berater bewusst Gerüchte, um Vertragsverhandlungen etwas anzuheizen und Uli Hoeness nutzte  in seinen besten Zeiten gerne mal die Taktik, Gegner dadurch zu verunsichern, dass vor den Duellen Interesse am gegnerischen Top-Spieler verkündet wurde (auch wenn gar keins bestand). Heutzutage bringen andere die Unruhe, in quasi jede Mannschaft. Und jeder fühlt sich berufen noch ein Statement wie „Und tschüss“/„Reisende soll man nicht aufhalten“/„War ja klar, warum der plötzlich so gut spielt.“

 

Es geht dabei nicht darum, dass Spieler wechseln , das gehört zum Fußball"geschäft" dazu (ein so großer Romatiker ist der Schreiber dann auch nicht) und ein beruflicher Aufstieg sei jedem gegönnt. Das man doof oder gut finden kann (je nachdem ob man es mit dem abgebenden oder dem aufnehmenden Verein hält). Aber dass es quasi inzwischen kaum noch Zeitpunkte in einer Saison gibt, an denen nicht über potenzielle Wechsel diskutiert wird, nervt noch mehr als Lebkuchen im September. Von daher wird die virtuelle Packung Popcorn nicht angerührt, sondern einfach Fußball geschaut. Und ansonsten: Bier/Tee trinken und abwarten.

 

P.S.: Weitere, traurige Entwicklung ist, dass sich das ganze Transfertheater inzwischen bis runter in die Kreisligen zieht. Braucht kein Mensch...

 
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