Das Gastspiel von Holstein bei 96 war schon von vornherein fest eingeplant. Die Ansetzung auf einen Montag war nicht wirklich überraschend und passte mir auch ziemlich gut: damit war der Sonntag frei für etwas Hopping in Hannover. Da es einen guten Freund aus Nürnberg beruflich in die niedersächsische Landeshauptstadt verschlagen hat, war ein guter Anlass für einen Besuch gegeben und die Übernachtungsfrage ebenfalls geklärt. Ein Blick in die Spielpläne ergab, dass endlich mal das Rudolf-Kalweit-Stadion gekreuzt werden konnte. Zur Sicherheit wurden auch eine Reihe von Ausweichoptionen herausgesucht, da das Wetter Anfang März immer ein kritischer Faktor ist. Die avisierten Spiele waren aber glücklicherweise nicht betroffen und fanden statt. Am Ende stand ein toller Sonntag mit zweimal Fußball und abschließend Eishockey – und endlich auch mal wieder ein Bericht, nachdem ich das in jüngerer Vergangenheit (wie z.B. bei meiner „Abrisstour“ Rheydt / Wuppertal) nicht immer auf die Kette bekommen habe.

 

Sportverein Borussia Hannover 1895 II vs. Sportliche Vereinigung Laatzen von 1894 II

Stadion an der Kanalbrücke, 1. März 2020, Endstand 5:0

Den Auftakt macht zu früher Stunde um 12 Uhr natürlich ein unterklassiges Spiel, um genau zu sein eine Paarung der 2. Kreisklasse Hannover, Staffel 4. Und dann auch noch ein echtes Kellerduell. Dass man hier nicht verwöhnt werden wird ist also klar. Der Sportplatz bietet auch nicht viel, keinerlei Ausbau aber immerhin ist es ein Rasenplatz. Eintritt wird von den ca. 20 Zuschauern dafür auch nicht verlangt. Außer einigen Teamkollegen und uns ist noch eine vierköpfige Truppe von Arminia-Fans zugegen.

 

 

 

 

 

 

 

Das Spiel bietet tatsächlich wenig Unterhaltsames (Quote of the game: „Gewaltroller“), aber ich sollte immerhin mit meiner Prognose eines deutlich Heimsiegs recht behalten. In Halbzeit eins passiert lange sehr wenig, allerdings müssen die Gastgeber auch gegen einen strammen Wind vom Mittellandkanal spielen. Kurz vor der Pause fällt per Foulelfmeter trotzdem das 1:0. Nach der Pause und mit dem Wind im Rücken brechen alle Dämme. Die Borussia baut ihren Vorsprung schnell aus und siegt am Ende verdient mit 5:0. Einen beträchtlichen Anteil daran hat auf jeden Fall der Gästekeeper, der jeden Ball prallen lässt und mindestens zwei der Gegentore auf seine Kappe nehmen muss.

Ein netter Appetithappen, aber mit Abpfiff machen wir uns unverzüglich auf den Weg zum ersten Highlight des Tages...

 

Sportverein Arminia Hannover vs. Männerturnverein Eintracht Celle von 1847

Rudolf-Kalweit-Stadion, 1. März 2020, Endstand 1:1

 

...dem altehrwürdigen Rudolf-Kalweit-Stadion des SV Arminia Hannover. Einer dieser Grounds, die ich schon länger auf der Bucket List hatte. 1918 errichtet und 1924 ausgebaut, stand sie wie so viele andere Stadien in der Vergangenheit bereits vor dem Abriss. Als Kompromiss zwischen den Bauvorhaben der Stadt und dem Verein musste die zum Bischofsholer Damm gelegene Hintertorseite geopfert werden. So bietet der Ground heute eine einzelne, 1976 neu errichtete Haupttribüne und durchgängige Stehtraversen auf der anderen Hintertorseite und Gegengeraden. Alles ist herrlich schief und in die Jahre gekommen, das Gras sprießt überall, dazu eine manuelle Anzeigetafel – einfach herrlich.

 

 

 

 

 

Herrlich ist die sportliche Gegenwart der Arminia allerdings weniger. Die großen Erfolge liegen lange zurück. 1910 gegründet, spielte man in den 20er und 30er Jahren dreimal in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Nach dem Krieg war der Club zu Oberligazeiten noch erstklassig, verpasste dann aber die Qualifikation für die Bundesliga. Auch in der neugegründeten zweiten Liga war man nicht von Beginn an vertreten, sondern erst von 1976 an für vier Spielzeiten.

Danach begann der sportliche Niedergang, der seinen vorläufigen Tiefpunkt in der Verbandsliga fand. Seit 2013 ist der Verein zumindest wieder fünftklassig in der Oberliga Niedersachsen unterwegs. Der SV Arminia schwebt in der aktuellen Spielzeit allerdings mit nur 2 Punkten Vorsprung auf Rang 15 in akuter Abstiegsgefahr – ein Sieg im Derby gegen den MTV Eintracht Celle wäre also Gold wert.

Vor dem Match will jedoch das gastronomische Angebot verköstigt werden, dem man weit über die Stadtgrenzen hinaus Großes nachsagt.

 

 

Bratwurst, Schinkengriller und Nackensteak sind im Angebot. Wir entscheiden uns für den Schinkengriller. Das Teil ist der Hammer: würzig, saftig und einfach nur saulecker. Einziger Grund zur Beschwerde ist, dass die Wurst einfach zu klein und für 3€ das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht

optimal ist. Darum hier ein kurzer Vorgriff: zur Halbzeitpause werden wir daher eine Bratwurst nachlegen, die geschmacklich genau so top und ihre 2,50€ jeden Cent wert ist.

450 Zuschauer haben sich eingefunden, unter ihnen trifft man auch schon das erste kleine Kieler Grüppchen. Man kommt ins Gespräch und empfiehlt den Störchefans mal gleich das Eishockeyspiel der Indians als Abendprogramm. Auch die Arminenfans vom Borussiaspiel sieht man wieder, die sich im Hintertorbereich zum kleinen, aber feinen Stimmungskern gesellen. Das sind vielleicht 20, 30 Figuren, aber die machen durchweg Stimmung. Echt respektabel! Dass auch ein paar Punks dabei sind, verleiht dem Ganzen noch ein hübsches Altonaflair dazu :-)

 

 

Stadion am Friedengrund/MS-Technologie-Arena, 19. Oktober 2019, Endstand: 2:1

 

Mit 750 Kilometern und einer Erkältung in den Knochen ist der Schreiber halbwegs froh, das Hotelbett in Stuttgart erreicht zu haben. Pläne für den weiteren Tag: Nichts tun, vielleicht unterbrochen von einem Bier. Beim Blick auf den WhatsApp-Status fällt dann aber auf, dass sich ein Teil von Ciabatta Infantile im nicht allzu weit entfernten Reutlingen befindet. Nach einem kurzen Chat wird der ursprüngliche Plan verworfen und wenig später geht es per Zug noch einmal 100 Kilometer weiter Richtung Süden. Ziel ist Villingen-Schwenningen am Ostrand des Schwarzwalds.

 

 

 

Die Landschaft mit ihren bewaldeten Tälern, aus denen der Nebel aufsteigt weiß durchaus zu gefallen, doch wird dank zweier Signalstörungen mehr Zeit auf der Strecke verbracht, als geplant. Kinder werden langsam quengelig, ein betrunkener Lebenskünstler philosophiert über die Schönheit Kanadas, die am Fenster vorbeizieht, während eine arme Zugbegleiterin jedem Fahrgast einzeln mitteilen darf, dass der Zug aufgrund der bereits eingefahrenen (massiven) Verspätung nur bis Oberndorf fährt. Immer bietet der Rostocker Hopperkollege an, einen Umweg zu fahren (1000 Dank), und so geht es für den Schreiber wenigstens weiter zum Oberliga-Kick zwischen dem FC Villingen 08 und den Stuttgarter Kickers. Mit letzteren duellierte sich Holstein vor nicht allzu langer Zeit um den Aufstieg in Liga zwei.

 

 

 

In der Fünftklassigkeit haben die „Blauen“ aber immer noch einiges an Fans im Gepäck, zudem an diesem Sonnabendabend auch ein echtes Spitzenspiel ansteht. Wegen des hohen Fanaufkommens verschiebt der Anpfiff, was der blau-weiß-roten Reisegruppe voll in die Karten spielt. Mit einer moderaten Verspätung wird der Zielort erreicht und dank Glück bei der Parkplatzsuche geht es schnell mitten rein ins Vergnügen. Mit Wurst und Radler wird erst einmal der Ground inspiziert. Das Stadion am Friedengrund wurde 1960 eröffnet und bekam sieben Jahre später die überdachte Haupttribüne, auf die 800 Zuschauer passen. Insgesamt hat die Anlage Platz für rund 8000 Personen. Der Zuschauerrekord liegt deutlich höher und wurde mit 15.149 Zuschauern in der 1. Hauptrunde des DFB-Pokals 1969/70 zwischen dem FC 08 Villingen und dem Hamburger SV erreicht.

 

 

 

Deutlich älter als das Stadion ist der darin spielende Verein, der, wie unschwer am Namen zu erkennen ist, im Jahr 1908 gegründet wurde und ab Mitte der 1920er bis in die späten 1930er Jahre zu den Spitzenmannschaften Badens gehörte. In den 1960ern spielte Villingen zudem sechs Jahre in der damals zweitklassigen Regionalliga, wo die 08er auf große Namen wie 1860 München, Nürnberg oder den FC Freiburg trafen. Aktuell gehört das Team zur Spitzengruppe der Oberliga Baden-Württemberg, genau wie der Gegner.

Die Kickers versuchten dann auch vor rund 200 mitgereisten Fans das Spiel zu dominieren, allerdings machten die Villinger die Räume im Mittelfeld eng und lauerten immer wieder auf Konter. Einen davon konnte Flamur Berisha mit einem Flachschuss zum 1:0 verwandeln. In der Folge scheiterten die die Hausherren immer wieder am Schlussmann der Kickers. Die Gäste kamen erst kurz vor der Pause zu guten Chancen, konnten diese allerdings nicht nutzen. Nach dem Seitenwechsel waren es wieder die Kickers, die Druck machten, das Tor durch Yahyaijan fiel allerdings auf der anderen Seite (55.). Da den Kickers nur fünf Minuten später durch Mijo Tunjić der Anschlusstreffer gelang, wurde es noch einmal eine für den Zuschauer richtig attraktive Partie. Die Gastgeber brachten allerdings mit Leidenschaft und etwas Glück die knappe Führung über die Zeit, was am Ende im Stadion zu großem Jubel führte.

Für den Schreiber ging es zurück nach Stuttgart, wo am bis 0 Uhr geöffneten Supermarkt schnell noch ein Gute-Nacht-Bier und Maultaschen eingepackt wurden.

FK Tschornomorez Odessa vs. FK Avanhard Kramatorsk, Zentralstadion Tschornomorez, 17. August 2019, Endstand: 0:1

 

6ef9a01d e6d4 4fe0 bc34 bde31d68bf2c 001

 

Odessa - die Millionenstadt am Schwarzen Meer hat neben netten Stränden auch kulturell und kulinarisch was zu bieten. Insgesamt wird (leider) viel gebaut. Appartementtürme bei denen man nicht weiß, wer sich da was kaufen soll... Im Süden gibt es aber noch die alten Sanatorien aus Sowjetzeiten . Das versprüht neben der gammeligen Tram schon einen gewissen Reiz gegenüber den hochgejazzten, neuen Touristränden in Richtung Zentrum.

 

71084de4 d456 4f7f a42c ad62d4c53cb9

 

751c6451 c2ba 49c0 9673 14c27478143e

 

9264943b 8381 4f5b 9458 d39aacdaf23b

 

e7ed51af 4c21 48cb b9b6 3ba7398375c0

 

e4930137 0b76 45b7 ac1d 8d0526657314

 

Das Stadion liegt im Schewtschenko-Park im Zentrum der Stadt und wurde ursprünglich 1938 eröffnet. Vor der EM 2012 wurde es komplett umgebaut und diente als Ersatzstadion.

 

b4621876 82f2 4858 83b6 f5956d652806

 

423ce8e7 caba 4694 b30f 8ae88c73b100

Robert-Kölsch-Stadion, 19. Mai 2019, Endstand: 3:2

 

Der VfR Bürstadt hat schon bessere Zeiten erlebt. Zwischen 1978 und 1985 wurde dort insgesamt vier Saisons zweitklassig gekickt, die traurige Gegenwart sieht den Traditionsverein in der achtklassigen Kreisoberliga Bergstraße. Dass die großen Tage lange zurückliegen, sieht man dem Robert-Kölsch-Stadion daher auch mehr als deutlich an. Insbesondere gilt dies für die schöne Tribüne, deren Tage nach dieser Saison endgültig gezählt sind. Hier und heute findet das letzte Spiel statt, bevor sie nach Saisonende dem Abriss zum Opfer fällt. Einige Kommentare zum Für und Wider kann man bei Fupa finden.

 

DSCN9597

 

DSCN9608

 

Da das Wochenende mit der Freundin im nahen Heidelberg verbracht wurde, waren glücklicherweise nicht übermäßig viele Überredungskünste vonnöten, um den Spielbesuch hier noch „dranzuhängen“. Eher die üblichen Bestechungen, also Kostenübernahme für Eintritt, Wurst und Getränke... ;) Vor dem Anpfiff bleibt noch Zeit für einen Rundgang um den Platz. Nicht nur die Tribüne mit ihrem geschwungenen Dach macht Eindruck, auch die Traversen mit den dicht stehenden Bäumen und dem herauswuchernden Gras lassen das Herz des Fußballromantikers höher schlagen.

 

DSCN9610

 

DSCN9612

 

DSCN9622

 

DSCN9633

 

Rein sportlich geht es im Saisonfinale noch um Einiges: der VfR liegt punktgleich mit der zweitplatzierten FSG Riedrode auf Platz 1, der zum direkten Aufstieg berechtigen würde. Platz 2 ist den Hausherren bereits nicht mehr zu nehmen, wäre aber mit einer Relegation verbunden. Die Gäste aus Fürth (im Odenwald, aber ebenfalls in grün-weiß) hingegen brauchen noch den einen oder anderen Zähler um ganz sicher die Klasse zu halten. Das Spiel ist natürlich kein Augenschmaus, Tempo und Präzision sind auf beiden Seiten auf keinem allzu hohen Niveau, aber – es ist spannend, weil es eine absolut ausgeglichene Partie ist.

 

DSCN9625

 

DSCN9636

 

DSCN9634

 

DSCN9699

 

DSCN9685

 

DSCN9660

 

Die größte Chance im ersten Durchgang gehört sogar den Gästen: erst ein strammer Schuss, der vom Keeper seitlich pariert wird, im Anschluss trifft der Fürther aus sieben Metern nicht das freie Tor, sondern nur den Innenpfosten, der dritte Schuss wird schließlich geblockt. Das torlose Remis zur Pause ist also eher ein wenig schmeichelhaft für die Bürstädter.

 

52876817 305448220169347 554048990182637568 n

 

Association Sportives Hayabley vs. FC Dikhil

Stade El Hadj Hassan Gouled, 22. Februar 2019 (17 Uhr), Endstand 1:2

 

52581053 605885256550537 1499405892288774144 n

 

52874806 297103707619983 8177517645961101312 n

 

53218925 389490911629571 8766090446557413376 n

 

Association Sportive du Port vs. Association Sportive Arta Solar 7

Stade El Hadj Hassan Gouled, 22. Februar 2019 (19 Uhr), Endstand 2:2

 

52605863 1974439546016898 5591901566597595136 n

 

Beruflich war ich in Djibouti und hatte an einem Wochenende im Nationalstadion (das bis zu 40.000 Zuschauer fasst) Flutlicht gesehen. Ein Blich auf die Internetseite von Soccerway verriet, dass am darauffolgendem Wochenende ein Spieltag ausgetragen wurde. Da ich dann natürlich hin zum Stadion und  habe am Zaun nach Tickets gefragt. Da dieses Land als eines der ärmsten Länder zählt, sind die Eintrittspreise mit 100 DJF also umgerechnet 0,50€ mehr als günstig. Dafür kann man einen kompletten Spieltag sehen. Die Spiele starten um 15:00, 17:00 und 19:00 Uhr. Da die Temperaturen hier momentan nicht wirklich unter 30Grad sind, kann man sich vorstellen, dass bei den ersten Spielen noch nicht wirklich viele Zuschauer vor Ort sind.

 

53264963 2326281244071131 7564882991168618496 n

 

53207615 435895367149377 522339542989012992 n

 

53544495 295061764524272 1628997588323663872 n

 

53611058 360474864546103 5779419138661285888 n

 

53469098 582004382267146 8796474673001922560 n

 

Ich bin zur zweiten Halbzeit des zweiten Spiels gekommen. Die Ränge waren ganz gut besucht. Bis auf eine ältere Dame, die mit einer Art Bauchladen durch das Stadion gelaufen ist und einzelne Zigaretten, Kekse und Kaugummis verkauft hat, waren nur Männer vor Ort. Als der Muezzin Abendgebet rief, wurde das Stadion für den Zeitraum des Gebets etwas leerer. Die Männer kamen aber wieder und schauten sich eher emotionslos das Spiel an. Ich hatte das Gefühl, dass sich auch über Gott und die Welt unterhalten wurde und das Spiel so nebenbei betrachtet wurde. Erst zur Schlussphase wurde es etwas lauter und die Zuschauer unterstützten die Teams mit einzelnen aber lauten Zwischenrufen.

 

52713023 1792539280850160 3670054695507853312 n

 

52596372 415922212312387 2391161091439722496 n

 

Das Niveau war sehr niedrig. Aber es gab eine ganze Reihe an lustigen Szenen. Angefangen von mehreren Elfmetern in einem Spiel, die nicht alle verwandelt wurden bis zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, die der Schiedsrichter mit störrischer Ruhe hat laufen lassen. Während des Spiels hat sich der Linienrichter es sich nicht nehmen lassen, des Öfteren mal auf sein Handy zu schauen, welches er natürlich ganz selbstverständlich in der Hosentasche hatte.

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.