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Stadion Gelora 10 November, 28. Januar 2012, Endstand 0:1
Zuschauer: zum Anpfiff etwa 10.000, nach 90 min etwa 20.000
Stell Dir vor, Du bist am anderen Ende der Welt und die Mannschaft an dem Ort deines Aufenthalts muss wegen permanenter Auschreitungen der Anhängerschaft gerade ein Jahr lang Geisterspiele austragen. Das hätte vor zwei Jahr den Leuten passieren können, die nach Surabaya auf der indonesischen Insel Java gereist waren. Zum Glück war unser Weltenbummler Uwe erst dieses Jahren vor Ort (nachdem er letztes Jahr leider kein Match vor Ort verfolgen konnte) und hatte mehr Glück.
"Dieses mal hat es nun geklappt, nachdem im letzten Jahr der Versuch gescheitert war, ein Spiel der Indonesischen Premier League zu besuchen. Damals wurde mir dringend davon abgeraten allein als Europäische Langnase das Spiel zu sehen. Too dangerous! In Indonesien wird man als Europäer wie ein buntes Tier gesehen ;-)
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Zweiter Versuch mit einem indonesischen Begleiter, keine Gefahr da BONEK."
Bonek ist die Abkürzung von "Bondo Nekat" und heißt so viel wie "die Rücksichtslosen". Es hanldet sich dabei um die größte Ultrà gruppierung von Persebaya und gilt laut Internet als die gewaltätigste und berüchtigste von ganz Indonesien, zumindest drehen sie manchmal etwas heftiger am Rad. Freundschaftlicher geht es hauptsächlich bei Spielen gegen Bandung zu, die auch von der Insel Java kommen. Ihnen sind die Bonek freundlich gesonnen, speziell den Vikings, der größten Supporter-Vereinigung innerhalb der "Bobotoh" fühlt man sich sehr verbunden. Vielleicht auch deshalb, weil beide durch die gemeinsame Feindschaft gegen die "Jakmania" zusammengeschweißt werden. Bei "The Jakmania" handelt es sich um eine eine ultrà -orientierte Fangruppierung des Hauptstadtclubs Persija Jakarta, die bei ihrer Gründung 1997 etwa 100 Mitglieder besaß und heute offiziell über 80.000 Supporter vereint, andere Quellen sprechen sogar von über 100.000, womit sie rein zahlenmäßig den Bonek ebenbürtig ist, allerdings nicht ansatzweise an deren Fanatismus heranreichen sollen. Auch die Supporter von Malang sollten sich nicht in die Heimkurve von Surabaya verirren, handelt es sich hierbei doch um den Derbygegner.
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"Schon die Anfahrt zum Stadion war ein Abenteuer, gefühlte 2 mio Mopeds unterwegs. Am Stadion entschieden wir uns dann für VIP-Tickets, immerhin 100 000 Rupiah (10,-), billigste Tickets für 5000 Rp (50 cent). VIP beinhaltet lediglich einen Sitzplatz auf der Haupttribüne mit Polizeischutz.
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Interessant war eigentlich, das mindestens so viele Fans außerhalb des Stadions unterwegs waren wie im Stadion selbst. Viele können sich nicht mal die billigsten Plätze leisten. Auswärtsfahrten werden deshalb über mehrere tausend Kilometer ohne einen Pfennig Geld in der Tasche im Mob gestartet und so kostenlose „Transfers " erzwungen (es gibt Berichte von gekaperten Fähren bei Auswärtsspielen auf Bali).
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Als wir unsere Plätze eingenommen hatten wies mich mein Begleiter (Jaya Candra, nochmals besten Dank) auf eine weitere Eigenart des Stadionbesuchs hin. An einer 5-6m !! hohen Aussenmauer wurden Fanschals zusammengeknotet und über diese kletterten die „Besucher“ ohne Tickets in das Stadion. Das spricht einerseits für die Qualität der Schals, andererseits zeigt es auch das sich diesen Blöcken nur irrtümlicherweise Polizei oder Sicherheitsdienst aufhält.
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Das ist auch der Grund warum das Stadion eigentlich erst zum Abpfiff komplett gefüllt war. Das Stadion ist eine ziemlich marode Hütte, wenig vertrauenerweckende Tribünen und mitten in den Kurven wachsen Bäume, allerdings soll ein neues schon im Bau sein (ist bestimmt langweiliger).
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OK, zum Spiel; Herausragend waren hier die ausländischen Spieler, meist Australier oder Brasilianer, und das auch nur von der Körpergröße. Persebaya hatte das Spiel die ganze Zeit fest im Griff, Bantul ohne eine einzige Chance. Als Persebaya nach 75min und etwa 20! Hundertprozentigen Torchancen immer noch nichts erreicht hatte, konnte ich schon mal orakeln , das dies heute noch in die Hose geht (Holstein-experience) , und siehe da Bantul kommt einmal vor das Tor und macht den Sack zu.
Die darauffolgende Reaktion der Fans war dann schon beeindruckend, die im Stadion verkauften 600ml Wasserflaschen (Alkohol gibt’s da Allah sei dank keinen, da fast alles Moslems) wurden zu Hunderten auf den Gegner abgefeuert, ist aber wohl eine ganz normale Sache, das sich weder Spieler noch Schiri`s beeindruckt zeigten. Was in Deutschland für einen Spielabbruch reicht ist in Indonesien nicht mal eine Unterbrechung wert. Nun kam das etwas müde gewordene Publikum auch endlich ein bisschen in Fahrt und in den Blöcken gab es pyrotechnische Unmutsbekundungen.
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Änderte nix mehr, Spiel verloren. Der Weg fort vom Stadion glich dann wieder einer Massenflucht, alle rauf auf`s Moped und gleichzeitig, unter infernalischem Lärm und Gestank, los.
Achso Stadionwurst gab es auch, nennt sich aber Frühlingsrolle ;-)"
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Noch ein paar Facts zu Surabaya und Fußball in Indonesien: Abgesehen von seinen Fans hat Persebaya Surabaya 1927 auch auf dem Rasen einiges vorzuweisen - man gehört zu den wichtigsten und erfolgreichsten Teams im Land. Seit der Gründung der professionellen "Liga Indonesia" mit der Saison 1994/95 konnte die "grünen Krokodile" zwei Meisterschaften und einen Vizetitel holen, und ist damit "Rekordmeister". Generell sind das Ligensystem in Indonesien und das Abschneiden der einzelnen Mannschaften etwas schwer zu durchschauen, was auch dadurch zustande kommt, dass der gleiche Verein teilweise zweimal parallel existiert.
Selbst wenn das professionelle Ligensystem noch relativ jung ist und auch immer mal wieder im Chaos zu versinken droht, ist die Geschichte des indonesischen Fußballs übrigens deutlich älter. Schon 1930 wurde die "Nederland Indische Voetbal Unie (NIVU)" gegründet und nur acht Jahre später nahm man in Frankreich zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. Zwar verlor man noch unter dem alten Namen "Holländisch Ostindien" das erste Spiel mit 0:6, Gegner waren aber immerhin die Ungarn, mit ihrem herrausragenden Stürmer György Sárosi - eine der Fußballgroßmächte der damaligen Zeit.
Mit der Unabhängigkeit der Kolonie 1949 wurde aus dem NIVU der nationale Fußballverband PSSI (Persatuan Sepakbola Seluruh Indonesia), zwei Jahre später wurde die erste nationale Meisterschaft ausgespielt. Sieger damals: Persebaya Surabaya. Die Nationalmannschaft Indonesiens, die der Flagge entsprechend in rot-weiß spielt, trat im gleichen Jahr das erste Mal an, allerdings verlor man bei den Asienspielen in Neu-Delhi alle Partien. Erster Sieg gelang aber bereits nur wenige Wochen später gegen Singapur. Erster beachteter Erfolg war ein 0:0 gegen die UdSSR bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne.
Aktuell steht Indonesien auf Rang 143 der FIFA-Weltrangliste - wohl eher enttäuschend (zwischenzeitlich hatte man sich schon über 60 Plätze weiter vorne etabliert), aber im Endeffekt nur ein Resultat aus den schwierigen bis chaotischen Zuständen im indonesischen Fußball, die eine kontinuierliche Entwicklung immer wieder ausbremsen.
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Zum Abschluss noch ein paar Impressionen vom anderen Ende der Welt:
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