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...und morgen an die Förde.
Viertelfinale DFB-Pokal - der Underdog aus Kiel trifft auf den Bundesligisten aus Dortmund. Und nicht nur die Mannschaft aus dem Pott steht fußballerisch ganz weit vorn, auch das selbst bei Anhängern anderer Vereine gut bekannte Fanzine schwatzgelb.de zählt zu den größten und meistgelesensten der Republik. Paar kurze Fakten: Täglich über 30.000 Nutzer, eigener Wikipedia Artikel, laufend aktualisierte Berichte, Kommentare, Videos und Fotos in deutsch und englisch über die schwarz-gelbe Borussia.

Schon ein mächtiges Sprachrohr der Fanszene und eine der besten Infoquellen - die natürlich auch Calcio Culinaria nutzen wollte. Schmähgesängen und schwarz-gelben Spamaktionen zum Trotz: das SchwatzGelb-CCK-Doppelinterview (der andere Teil ist dann logischerweise bei den Dortmundern zu finden - nämlich hier) zum "Spiel des Jahrhunderts". Vom "basisdemokratisch-anarchistisch" organisierten Fanzine stand uns übrigens Guido Schulz Rede und Antwort zu den Themen Traumlos, Fanszene und kulinarische Highlights des Potts und erklärte uns, wie die perfekte Dortmunder Saison aussehen würde.
CCK: Moin Guido, am 7. Februar ist es soweit - der Deutsche Meister von 1912 empfängt den aktuellen Meister. Für viele Kieler sicherlich eins der sportlichen Highlights der letzten Jahrzehnte, für Euren Trainer Jürgen Klopp hingegen wohl nicht DAS Traumlos, der sich alles "nur nicht Kiel" gewünscht hatte. Dann kam es doch so - wie schafft es der BVB-Anhänger sich das Los dennoch schön zu reden?
Guido: Für uns Fans ist da Los absolut ok. Obwohl wir seit Jahren in diesem Wettbewerb wenig reißen, genießt der Pokal in Dortmund einen durchaus hohen Stellenwert und der Wunsch, den "Pott" endlich mal wieder nach Dortmund zu holen, ist so groß, dass wir - ohne jetzt respektlos klingen zu wollen - lieber nach Kiel als nach München reisen werden. Ein bisschen schade ist natürlich, dass den BVB nur sehr wenige Fans begleiten können. Daher haben einige auf eine Verlegung nach Hamburg gehofft. Andererseits freuen sich die, die eine Karte bekommen haben, sicherlich trotz Schnee und Eis auf Euren "Ground".

Mit "The Unity" kam frischer Wind in Westfalenstadion (Quelle: http://bvb-fotos.de/)
CCK: Der "Wenn wir wollen, kaufen wir euch auf"-Ära folgte 2004 die große Krise inklusive Verkauf des Stadionnamens. Danach gelang die wirtsschaftliche und nachfolgend die sportliche Konsolidierung. Gab es in der Fanszene auch eine spürbare Veränderung, bzw, hatte die Krise im Rückblick betrachtet auch etwas positves für dich als Supporter?
Guido: Absolut. Zum einen ist der Verein ein ganzes Stück enger zusammengerückt, als es wirklich schlimm um Borussia Dortmund stand. Rein wirtschaftlich waren wir ja bereits im "Vorraum der Pathologie" angekommen wie Aki Watzke gerne zu sagen pflegt. Und nachdem wir dann eine Vielzahl der Stars verkaufen mussten und uns plötzlich im Abstiegskampf wiederfanden, sind die Ansprüche an den sportlichen Erfolg auch deutlich gesunken und uns allen war klar, dass es nur noch ums Überleben geht. Im Grunde war unsere Fanszene aber schon zur Meisterschaft 2002 ziemlich am Boden. In die Zeit fällt beim BVB ähnlich wie bei vielen anderen Vereinen dann der Aufstieg der Ultras. In Dortmund haben wir das Glück, dass mit The Unity hier eine über die meisten Fangruppen akzeptierte Gruppierung frischen Wind in den Fanblock gebracht hat. Als dann das ganze Desaster, welches Niebaum und Meier in unserem Verein angerichtet haben, bekannt wurde, hat sich unsere Fanszene deutlich "politisiert" in dem Sinne, dass sie sich einmischt, wenn im Verein und im Fußball Dinge schief laufen. Mittlerweile kommen viele Impulse für die bundesweite Fanszene aus Dortmund. Dass eine Aktion wie "Kein Zwanni - Fussball muss bezahlbar sein" seinen Ursprung in Dortmund hat, wäre vor 10 Jahren eher nicht denkbar gewesen. Über unsere sportliche Entwicklung muss ich wohl nicht viel sagen. Wenn man aus dem grauen Mittelfeld auf einmal runderneuert mit jungen Spielen zum Teil aus der eigenen Jugend Deutscher Meister wird, dann hat das schon was märchenhaftes.

Das Sommermärchen der Borussia (Quelle: http://bvb-fotos.de/)
Watzke und Zorc hatten da ein gutes Händchen, aber natürlich auch ganz viel Glück. Der größte Glücksgriff war wohl Jürgen Klopp.
CCK: Die Borussia ist nach den Bayern sicherlich einer der Vereine mit den meisten Fans in Deutschland und nach der Meisterschaft dürften wieder etliche Neufans dazugekommen sein. Seht ihr das durchweg positiv oder wünscht man sich stattdessen nicht manchmal einen etwas kleineren, familiäreren Verein, in dem man sich kennt und in dem der einzelne Fan mehr Gewicht hat?
Guido: Naja. Der BVB war nie ein kleiner Verein. Selbst als es uns sportlich schlechter ging, waren wir einer der "Großen" was den Zuschauerschnitt angeht. Wir haben in guten wie in (verhältnismäßig) schlechteren Zeiten 50.000 Dauerkarteninhaber. Der BVB ist also durchaus "familiär" - wobei unsere Familie halt sehr groß ist... Wir sind halt kein "normaler" Verein. Wenn man bei Bundesligaspielen sieht, wie viele Leute den BVB quer durch Deutschland begleiten, ist das schon beeindruckend. Und das sind zu einem großen Teil Vielfahrer. Einzig bei Testspielen in der Provinz, die von vielen aktiven Fans mittlerweile fast ignoriert werden, gibt es für "Quereinsteiger" mal die Möglichkeit überhaupt den BVB live zu sehen. Das ist auch vollkommen ok.
CCK: Für Kiel ist das Viertelfinale ein Riesenerfolg, für die perfekte Saison geht allerdings nichts am Drittliga-Aufstieg vorbei. Muss es für die perfekte Dortmunder Saison die Titelverteidigung sein oder reicht es für die schwarz-gelbe Seele am Ende vor Schalke zu stehen?
Guido: So eine Frage kann man nie wirklich ehrlich beantworten. Vor der Saison wären wir mit einem Platz 2 oder 3 sicherlich zufrieden gewesen. Jetzt stehen wir wieder auf Platz 1 und ich ertapp mich selbst dabei, Hochrechnungen für die nächsten Spieltage zu machen. Am 30. Spieltag kommen die Bayern. Wenn wir dann noch Meister werden können, will ich es auch werden. Dass die Blauen uns im Nacken sind, ist zusätzlicher Ansporn. Die müssen wir auf jeden Fall hinter uns lassen. Wenn das klappt und wir zusätzlich nach Berlin fahren, wäre es auch ohne Schale eine perfekte Saison.
CCK: Zum Abschluss noch eine Calcio Culinaria spezifische Frage (danach bist Du entlassen):Weshalb darf a) aus fußballerischer und b) aus kulinarischer Sicht kein Weg an der Westfalen-Metropole vorbeiführen?
Guido: Fußballerisch verweise ich gerne auf die englische "Times", die unser Stadion vor 3 Jahren zum schönsten der Welt gewählt hat und folgendes schrieb "Dieser Ort ist einzig und allein für den Fußball gebaut und damit sich die Fans darstellen können. Jedes Europapokal-Endspiel sollte dort stattfinden. Dort herrscht die beste Atmosphäre auf diesem Kontinent."

Laut der "Times" mehr als eine Reise wert (Quelle: http://bvb-fotos.de/)
Kulinarisch kann ich Euch unseren Gastro-Führer "Anne Theke" (klick hier) ans Herz legen. Ich persönlich gehe vor dem Spiel aber am liebsten ins Schwimmbad hinter der Südtribüne. Currywurst, Pommes Majo und ein herrlicher Blick aufs schönste Stadion der Welt. Watt kann schöner sein? Ihr seid herzlich eingeladen, dies zu überprüfen.
CCK: Danke für die Einladung und die Zeit, die Du Dir für uns genommen hast. Überprüfung wird gerne bei passender Gelegenheit erfolgen. |