Erzgebirgsstadion, 6. Oktober 2018, Endstand: 2:1

 

Eine Fahrt nach Aue ist für Kieler fast wie eine Reise durch die sportliche Vergangenheit. Vorbei an Magdeburg und Halberstadt, Halle und Leipzig, in Richtung Dresden, nur unweit von Meuselwitz die A72 entlang, die nach Chemnitz, Zwickau und Plauen führt - all das weckte Erinnerung an die alte Regionalliga Nordost (die rückblickend betrachtet gar nicht so uninteressant war) und auch an die noch gar nicht so weit zurück liegende 3. Liga. Und während Leipzig inzwischen in ganz anderen Sphären wandelt, Dresden und Magdeburg zu aktuellen Ligakonkurrenten zählen, Zwickau und Halle fester Bestandteil von Liga Drei sind, stellte sich die Frage, was mit anderen einstigen Gegner geschehen ist. Der CFC zum Beispiel bricht mit elf Siegen in elf Spielen in der Regionalliga Nordost alle Rekorde, während mit Erfurt ein anderer ehemaliger Weggefährte im Mittelfeld der Viertklassigkeit festhängt. Deutlich dahinter Meuselwitz und Halberstadt, für die die Regionalliga ein Zuhause geworden ist. Der VFC Plauen hat seine neue Heimat in der Oberliga gefunden. Mit einer Portion nostalgischer Gefühle und der Dankbarkeit, dass die Störche sich in den letzten Jahren sportlich mehr an Dresden, als an Plauen orientiert haben, ging es also an diesem Wochenende nach Aue. Ebenfalls eine Begegnung, die es schon einige Male und in unterschiedlichen Ligen gegeben hat.

 

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Wer schon mal nach Aue gefahren ist, kennt diesen Anblick: Kaum ist die letzte, langgezogene Kurve genommen, erscheinen die mächtigen, "ostalgischen" Flutlichter des Erzgebirgsstadions auf der linken Seite. Besonders schön sah es an diesem Sonnabendmittag aus. Die vier betongrauen Konstruktionen hoben sich von den sonnenangestrahlten Bäumen ab, deren Laub bereits in herbstlichen Farben erstrahlte. So gar nicht herbstlich hingegen die Temperaturen (erinnerte fast an das Spiel in Erfurt im November 2009, das in kurzen Hosen verfolgt werden konnte). Beim Verlassen des Autos wurde deshalb kurzerhand beschlossen, die Jacke im Kofferraum zu lassen. Bei 23°C war die auch nicht nötig. Ein Pflichtgang ist in Aue zunächst immer zum Nudeltopf-Stand. Sicher hat man Pasta schon deutlich besser gegessen, aber es gibt bestimmte Kult-Gerichte, die so gehören, wie sie sind. Und die "Ost-Penne" erinnern CCK zusätzlich immer an Kalle Neitzel, der einmal verriet, dass die Tomatensoßen-Zubereitung mit Fleischwurst sein Lieblingsgericht sei. Von daher...

 

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Im Vergleich zum Heimsieg über Darmstadt gab es nur eine personelle Änderung: Aufgrund der Gelb-Rot-Sperre Jannik Dehms rückte Patrick Herrmann in die Startaufstellung. Vor dem Spiel herrschte aufgrund des eher durchwachsenen bis schlechten Saisonverlaufes auf Auer Seite eher Pessimismus. Es wurde den Veilchen im Höchstfall ein Unentschieden zugetraut. Den Störchen hingegen wurde mit viel Respekt begegnet. Zurecht?

 

Zunächst waren es auch die Gastgeber, die den Ton angaben. Hoch motiviert starteten sie in die Partie und machten sich die erste Chance des Spiels zu eigen. Vor den insgesamt 7.500 Zuschauern entwickelte sich direkt ein munteres Hin und Her. Das ließ zuweilen zwar qualitativ zu wünschen übrig, hatte aber immerhin Unterhaltungswert. In der 7. Minute hätte Holstein bereits in Führung gehen können, nachdem ein Rückpass Lee erreichte. Doch auf die Schnelle konnte er den Ball nur fünf Meter neben das Tor setzen. Auf beiden Seiten wurde um den ersten Treffer gekämpft. Das Rennen machten die Störche nach 41 Minuten dank eines schönen Tores von Alexander Mühling, dem ein doppelter Doppelpass mit Lee vorausging. Sahnemäßig! Die Frustration der Auer Fans war zu spüren, einige begaben sich verfrüht zum Halbzeit-Bier. Dabei hatten sich die Hausherren bis dahin teuer verkauft - doch die Führung nahm die KSV mit in die Pause.

 

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Hannoverscher Sportverein von 1896 II vs. Kieler SV Holstein II

Eilenriedestadion, 3. Otober 2018, Endstand: 1:1

 

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Passend zum Tag der deutschen Einheit standen heute die Zweitvertretungen der Störche aus Kiel und die der 96er aus meiner Heimatstadt Hannover auf dem Rasen. Dass es sich bei dieser Begegnung um ein Spitzenspiel der durchaus hochkarätig besetzten Regionalliga Nord handeln würde, hätten vor der Saison wohl vor allem dem blau-weiß-roten Aufsteiger die Wenigsten zugetraut. Gespickt mit jeweiligen Vereinslegenden wie Tim Siedschlag und Christian Schulz war eine gewisse Vorfreude auch nach einem eher durchschnittlichen Schinkengriller durchaus zu spüren.

 

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Im seit einiger Zeit umgebauten Eilenriedestadion, in dem die Gastgeber bereits 1932 ihre erste Meisterschaft feierten, wehte ein starker Wind, der wohl eher den Gästen von der Förde einen gefühlten Heimvorteil bescherte. Doch besonders nach der Pause kam die Sonne auch länger mal raus und tauchte neben dem Spielfeld auch den zwar spärlich, aber immerhin mit einer Zaunfahne besetzten Kieler Block in ein gutes Licht.

 

Bei meinem letzten Besuch gab es beim Niedersachsenderby der zweiten Mannschaften noch die Unterstützung der aktiven Fanszene. Ohne diese setzte sich diesmal eine entspannte Feiertagsstimmung durch, die gesanglichen Highlights setzten die Jungs der U9 von 96, die ihre Mannschaft mit Sprechchören unermüdlich anfeuerten und für das ein oder andere wohlwollende Schmunzeln auf der Tribüne sorgten.

 

Das Spiel pendelte sich mit einigen Verschnaufpausen auf beiden Seiten auf ansehnlichem Niveau ein und war früh mit einem Lupfertor von Holsteins Narek Abrahamyan nach schlampigem Ballverlust der Roten auf Hochtouren (5.). Der Bundesliganachwuchs war um eine direkte Antwort und Spielkontrolle bemüht und wurde dafür in der 27. Minute belohnt. Nach einem schönen Angriff über die rechte Seite verlängerte Stürmer Benjamin Hadzic, vor der Saison vom VFB Stuttgart gekommen, den Ball wunderschön mit der Hacke ins lange Eck.

 

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Unione Sportiva Italiana Lupo-Martini vs. Kieler SV Holstein II, Lupo Stadio, 30. September 2018, Endstand: 2:3

 

„Komm ein bisschen mit nach Italien“ - der Schlager von Caterina Valente ist ein wenig das Motto der Tour des Tages. Dabei geht es gar nicht bis nach Sanremo, sondern nur bis nach Burgo del Lupo, besser bekannt als Wolfsburg. Eine Stadt, deren Charme oder Esprit bei den bisherigen Besuchen noch nicht wirklich entdeckt wurde, immerhin geht es diesmal aber zu Lupo Martini. Die Unione Sportiva Italiana Lupo-Martini erblickte 1962 das Licht der Welt und ist damit der älteste von Gastarbeitern gegründete Sportverein in Deutschland. Korrekterweise wurde 1962 zunächst einmal der SC Lupo gegründet (Lupo = Wolf), acht Jahre später folgte US Martini Wolfsburg, ehe es 1981 zur Fusion kam. Bis heute ein kleines Stück Italien, dass in Bayern vielleicht selbstverständlicher ist als so weit im Norden.

 

Durch genaueste Recherche weiß die Kieler Reisegruppe natürlich schon vom Vereinsheim, in dem es auch was das Kulinarische betrifft italienisch zugehen soll. Der Name des Besitzers Daniele di Dio fordert quasi das Wortspiel „Was von Gott kommt, muss gut sein“ heraus. Tatsächlich wird es noch besser erwartet. Das dazu später mehr.

 

Zunächst geht es über die Bundesstraße 4 Richtung Süd-Ost, dann in Gifhorn vorbei am Mühlenmuseum und dem an ein russisches Kloster erinnerndes Kulturinstitut „Die Brücke“ und relativ entspannt ist Wolfsburg erreicht. Dessen Skyline besteht im Wesentlichen aus den vier Schornsteinen des Alten Heizkraftwerks und beschreiben das, was mit der Stadt verbunden wird: Industrie, Volkswagen. Auch die Reihenhäuser, die den Weg zum Lupo Stadio an der Leonordo da Vinci Gesamtschule säumen, bestätigen das Klischee.

 

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Dann den Wagen abgestellt, direkt neben einem Fiat, dessen Besitzer zusätzlich des Vereinslogo auf die Kühlerhaube geklebt hat. Ob es für einen italienischen Wolfsburger wohl ein Gewissenskonflikt ist, sich zwischen Volkswagen und Fiat entscheiden zu müssen? Diesen hätten dann rund 5.000 Menschen, denn so viele Wolfsburger besitzen einen Pass der Repubblica Italiana, zu Hochzeiten standen sogar 7.500 Italiener bei VW am Fließband. Bis heute hat sich dieses Stück Italien an vielen Ecken erhalten, fast scheint es aber ein wenig so, als wenn es nach außen hin ein wenig geheim gehalten wird.

 

Immerhin ist der Fußballverein, der derzeit in der Regionalliga kickt, quasi eine Art Botschafter für Burgo del Lupo und da im besonderen des bereits erwähnte Vereinsheim. Denn die fein aufgeschichteten Canoli und anderes Backwerk, die Calzone, die frisch gegrillte Salsiccia und der mit Wurst und Käse gefüllte Kühltresen stellen so manchen Feinkostladen in puncto Qualität in den Schatten. Dann können auch mal paar mehr Euro investiert (der Plan im Anschluss noch VW-Currywurst im örtlichen Supermarkt zu besorgen, wird jedenfalls mit einem Lächeln gecancelled). Da der Besitzer ursprünglich aus Sizilien stammt, finden sich Spezialitäten der Insel „auf der Karte“. Highlight sind die von der Mama in der Küche hergestellten Arancini. Die kleinen Kegel bestehen aus einer Art Reisteig und sind mit einem Hackfleischragout gefüllt. Einfach nur unbeschreiblich gut. Bei über 20 Grad lässt es sich mit lecker Essen und einem kühlen Radler auf der Terrasse gut aushalten. Am Nebentisch steht irgendwann der Weinkühler auf dem Tisch. Wenn man die Augen schließt und die wenig norddeutschen Stimmen hört, fühlt es sich nicht an wie in der Industriestadt im Osten Niedersachsens.

 

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Wäre es aber südlich der Alpen, würde Holsteins Zweite dort kein Auswärtsspiel haben. Genau wie die Zweite der Störche ist Lupo Martini Aufsteiger. Allerdings gelang die Rückkehr in die Regionalliga (schon 2016 gelang für eine Saison der Sprung in die vierthöchste Spielklasse) als Meister der Oberliga Niedersachsen ohne die extra Qualifikationsrunde. Dafür läuft es in der aktuellen Saison nicht ganz so optimal. Mit acht Punkten nach zwölf Spielen haben die Wolfsburger die Rote Laterne (während die Zweite des VfL Wolfsburg von der Tabellenspitze grüßt). Trotzdem ist die Stimmung unter den 380 Zuschauern (wovon vielleicht sechs aus Kiel kommen) nicht negativ. Neben ein paar Herren, die ihre Fahnen am Stankett angebracht haben, supportet auch die kleine Gruppe der Lupo-Ladies. Diese haben sich, wie der Großteil der Zuschauer, auf der überdachten Haupttribüne eingefunden, wobei der restliche Ausbau der rund 1.100 Zuschauer fassenden Anlage aus ein paar Stufen neben dem Bauwerk besteht. Ein guter Teil der Anwesenden bleibt auch einfach in der Nähe zu Vereinsheim und Grill. Letzterer wird übrigens auch vom Kieler Trainerteam, das in der vergangenen Spielzeit zwecks Beobachtung potenzieller Gegner in der Aufstiegsrunde vor Ort war, angepriesen (ist aber zu dem Zeitpunkt schon getestet).

 

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28. September 2018, Endstand 4:2

 

Das Ende der Englischen Wochen war nach Ansicht einiger Holsteinfans der Beginn der entscheidenden Wochen. Nachdem zuletzt einige Punkte trotz guter Leistung liegengelassen wurden, war ein Erfolgserlebnis gegen Darmstadt das erklärte Ziel des Freitagabends. Die Rahmenbedingungen stimmten schon mal. Zwar war der Sommer nach einem letzten Aufbäumen endgültig vorbei (so langsam dürfen die langen Unterbüxen rausgeholt werden), doch zum Anpfiff leuchtete die tief stehende Sonne und färbte den Beton des Wohnblocks hinter der Baustelle golden. Das Flutlicht leuchtete hell in das wolkendurchbrochene Blau des Kieler Abendshimmels. Ein Stadion ist einfach ein romantischer Ort und perfekt für den Ausklang der Woche (auch wenn Freitagsspiele für arbeitende Auswärtsfans besch... bleiben).

 

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Mit lecker Rübenmus (die schönen Seiten des Herbsts) im Bauch ging, war man bereit für 90 Minuten, die einen durchaus hohen Unterhaltungswert bieten sollten.

 

Erneut musste Tim Walter Veränderungen in der Startaufstellung vornehmen. So durfte estmals Benjamin Girth von Anfang an ran. Und das sollte sich auszahlen. Wie schon in den letzten Spielen gaben die Störche von Anpfiff an Gas und es entwickelte sich ein munteres und interessantes Spiel. Dabei zeigten sich die Lilien als durchaus starker Gegner, die nach zuletzt spürbaren Problemen in defensiven Bereich, vor allem das Augenmerk darauf richten würden, keinen Gegentreffer zu fangen.. Benny Girth hatte aber, genau wie seine zehn Kollegen, andere Pläne. Nach zwölf Minuten kam sein Moment. Ecke Lee, Kopfball Serra – doch Darmstadts Keeper kann den Ball abwehren. Genau vor die Füße des Neuzugangs aus Meppen. Erste Chance, Tor für Kiel – die letzten Minuten aus der Alten Försterei waren schon wieder fast vergessen.

 

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Darmstadt ließ sich dadurch zwar nicht aus dem Konzept bringen, übernahm aber auch nicht wirklich die Regie auf dem Platz. Erst in der 22. Minute wurden die Südhessen ein erstes Mal ernsthaft gefährlich – doch ohne dass der Ball im Netz zappelte. Erfolgreicher war da das Trio Kinsombi, Serra, Mühling, der mit einem Traumschuss auf 2:0 aus fiesem Winkel erhöhte. Deutete sich hier ein kleiner Kontersieg an? Kurz kamen Zweifel auf, denn ein verwandelter Handelfmeter (kann man nach moderner Handspiel-Auslegung wohl geben) ließ die Gäste kurz wieder heran rücken - eine Gemeinschaftsarbeit von Lee, mit grandioser Vorarbeit, und Serra, mit fast perfektem Kopfball) stellte den alten Abstand wieder her – 3:1. Doch als wäre das nicht genug für eine Halbzeit, verkürzte Darmstadt wenige Minuten vorm Halbzeitpfiff auf 3:2. Das Halbzeitbier war dringend nötig, um eine wenig runterzukommen.

 

Stadion an der Alten Försterei, 25. September 2018, Endstand 2:0

 

Kaum war das Heimspiel am Sonnabend abgepfiffen, ging es auch schon wieder auf die A24 in Richtung Berlin. Englische Wochen sind nicht nur für die Mannschaften selber anstrengend. Auch für Auswärtsfahrer sind die Spiele unter der Woche mitunter nur schwer zu bewerkstelligen. Es werden Urlaubtage und Überstunden geopfert um einmal quer durch die Republik zu reisen. Nicht selten muss sogar der Ruf beim Chef riskiert werden und ein gelber Schein herhalten. Und nur bei den wenigstens Spielen reicht ein freier Tag aus. Und wenn es gar nicht zu bewerkstelligen ist, bleibt nur die die Alternative Pay-TV oder Kneipe. Dieses Schicksal ereilte auch Teile CCKs mit der Folge, dass die Zahl der guten Bilder in diesem Bericht begrenzt ist

Auch Heimfans können nicht immer direkt nach Dienstende ins Stadion und wenn, müssen sie sich durch den Berufsverkehr kämpfen. So stand dieser Spieltag unter dem Motto "Ihr werdet von uns hören...oder auch nicht!" In ganz Deutschland einigten sich die Fanszenen auf stillen Protest. Die ersten 20 Minuten nach Anpfiff am Dienstag-, Mittwoch- oder Donnerstagabend wurde geschwiegen. Aber nicht nur die Anpfiffzeiten waren Anlass für die Kritik. Vor wenigen Monaten wurde die zuletzt unfruchtbaren Gespräche zwischen Fans und Verbänden abgebrochen. Zu groß der Graben zwischen den Parteien und zu klein die Kompromissbereitschaft insbesondere auf Funktionärsseite. Die Stellungnahme zum Fanprotest hier (Compagno erklären auch mehr).

So herrschte mit Anpfiff eine ungewöhnliche Stimmung oder besser gesagt, gar keine. Auf den Rängen war nur das Gemurmel der Zuschauer und gelegentliche, spielbezogene "Ohs" und "Ahs" zu hören. Doch aktiver Support? Fehlanzeige!

 

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Dafür war, ungewöhnlich im bezahlten Fußball, die Mannschaft zu hören. Rufe von Kenneth Kronholm zum Beispiel, die sonst von den Gesängen verschluckt werden, waren für jedermann zu hören. Nach zwanzig Minuten endete der Protest, es wurde von zehn herunter gezählt, Zaunfahnen ausgerollt und Waldseite Union Berlin sowie die Working Class Holstein Kiel stiegen mit ihrem Gesang ein. Endlich die Stimmung, die man gewohnt ist und die einen Teil des Erlebnis Fußballs ausmacht. Der Kontrast machte deutlich: Fußball ohne Fans ist nur der halbe Spaß. Und die Fans haben Kompromissbereitschaft und vor allem fangerechte Anstoßzeiten verdient.

 

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Für die Auwärtsfahrt nach Berlin hatten sich die Kieler etwas besonderes ausgedacht. Dem Anlass entsprechend wurde der Gästeblock des Stadions in Dienstkleidung geentert. Blaumänner, Signalwesten & Co. bestimmten das Bild. Und es war vor allem festzustellen, dass die Liebe zu Blau-Weiß-Rot auch in der Woche den Block gut füllte. Ob nun mit Gelbem Schein oder „legal“ mit Urlaubsantrag, rund 1.000 Kieler dürften es mindestens gewesen sein.

 

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Auf dem Feld ging Holstein offensiv und mit dem bekannt hohen Pressing zu Werke, und kaum war der Anpfiff verhalt, gab es gleich mal das erste Ausrufezeichen von Holstein: Schuss Serra, aber knapp drüber. Erster kleiner Stimmungsdämpfer war die verletzungsbedingte Auswechselung von Honsak, das „restliche“ Personal ließ sich aber nicht beirren und dominierte die Anfangsphase, nur konnten Lee und Schindler ihre Chancen nicht nutzen. Mit einigen schwächeren Phasen blieb Holstein das spielbestimmende Team, kurz vor dem Halbzeitpfiff musste dann Kronholm allerdings in höchster Not retten. Das 0:0 zur Pause wurde äußerst positiv bewertet.

 

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Während es an der Alten Försterei leckere Quarkkeulchen gab, wurde in Schleswig-Holstein die Halbzeitpizza gekillt, ehe es frohen Mutes in Hälfte zwei ging. Die gestaltete sich ausgeglichener als der erste Durchgang, die Angriffe der Hausherren endeten aber spätestens beim gut aufgelegten Kronholm. Insgesamt ein Zweitligaspiel auf höherem Niveau, dass mit fortlaufender Spieldauer immer spannender wurde, weil sich weder Union noch Holstein mit einem Unentschieden zufrieden geben wollten. Trotzdem glaubte man gar nicht mehr an ein Tor, als in der 90. Minute ein Flachschuss von Prömel flach im Kasten der Kieler einschlug. Dass nach einem Konter ein Fallrückzieher von Polter dann nach den Weg ins Tor fand und die 2:0-Niederlage besiegelte, war mehr als ärgerlich, hatte Holstein bis dahin doch eine wirklich mehr als akzeptable Leistung gezeigt. Monokausale Erklärungen und das Festmachen der Niederlage an einem Spieler helfen nicht wirklich weiter nach so einem Spiel – aber die geschehen ja zum Glück meistens nicht an den entscheidenden Stellen. Und am Freitag geht es ja schon wieder weiter – mit aufregen oder mit freuen.

 

P.S. Danke an Björn Henningsen für das Top Bild!

 

 

 
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